Frank Strobel und ich kennen uns seit mehr als 30 Jahren; zwischen 2014 und 2017 habe ich insgesamt sechs Stunden Interviews mit ihm geführt als Ausgangspunkt für ein experimentelles Porträt mit dem Titel „Synchronpunkte“. Zunächst zur Vertiefung habe ich Ende 2015 eine Zusammenarbeit mit der Europäischen FilmPhilharmonie begonnen, die auch bis heute anhält.
Frank Strobel ist als Dirigent ein Künstler, der das metrische Grundprinzip des Films früh in das Zentrum seines Schaffens gestellt hat. Die Beobachtung seiner Arbeit ist die Gelegenheit, Musik nicht mehr nur als die untergeordnete Begleiterin einer visuellen Erzählung zu verstehen.
Im Allgemeinen ist der Synchronpunkt eine Positionsmarkierung um anzeigen, wann ein akustisches Ereignis ein visuelles unterstützen soll, beispielsweise die Bewegung einer Figur oder eines Objektes. In der Filmmusik steht der Synchronpunkt auch für die Bindung der Komposition an die visuelle Vorgabe. Hier kann es zu einer besonderen Herausforderung an das Orchester wie auch den Dirigenten werden, dass der Spielraum musikalischer Interpretation einerseits begrenzt ist, andererseits dadurch zugleich das visuelle Erlebnis erweitert wird.
Film und Musik
Film ist Rhythmus und dem geordneten Klang der Filmmusik liegt eine Bildhaftigkeit zugrunde, die es möglich macht, verloren geglaubte Bilder wieder zu entdecken.
Dieses besondere Verhältnis von Film und Musik bleibt in der Regel unbemerkt, solange das filmische Ereignis als der eigentliche Träger beispielsweise einer Erzählung im Vordergrund steht. Werden dagegen die musikalischen und filmischen Medien beispielsweise von einander räumlich getrennt aufgeführt, können Musik und Film als ein künstlerisches Ereignis aufgezeigt werden, in dem das eine Medium das andere ergänzt. Diese Beziehung kann selbst in die konzertante Aufführung von Filmmusik nachwirken, wenn allein über die Musik Bilder in die Vorstellung des Publikums im wahren Wortsinn projiziert werden.
Von jeher ist Film theatralisch, bühnenhaft, erzählend zweidimensional. Die Musik ist hier traditionsgemäß allenfalls Begleiterin, um die visualisierten Stimmungen zu markieren und zu steigern. dabei verbleibt die Musik nicht selten als fast schon gegenständliche Ergänzung von Szenerien, die ihrerseits Erzählungen
Ist Musik, ist ein Film, doch einmal anders, so hat er keinen Erfolg, jedenfalls nicht außerhalb eingeweihter Kreise. Nur so erklärt es sich, dass Film die einzige Kunst ist, deren Formen von Anfang an weitgehend unverändert bleiben musste, allenfalls in Nuancen variiert, gekettet an industrielle Produktionsformen und damit finanzielle Unwägbarkeiten, die allein in tradierten Methoden ein sicheres Auskommen zu gewährleisten in der Lage sind. Auch wenn die Musik sich hier weit mehr aus dem Fenster gelehnt hat mit all den Experimenten, so ist doch erwiesen, dass es sich in der Abhängigkeit zum Film einem breiteren Publikum am besten vermitteln ließ.
